12.08.09

Blogpause

Das war eine lange Pause. Ich bin zwar pflichtgemäß weitergelaufen, aber das Laufen ist etwas in den Hintergrund getreten.
Im Juli waren es gerade mal 257 km, dafür aber 772 Radkilometer. Längster Lauf war über 34 km vor zwei Wochen. Aber es hat mir dann die nötige Kraft für einen schnellen 10-km-Lauf genommen. Den wollte ich in 42 Minuten laufen, aber unkonzentriert plante ich für 43 Minuten und erreichte nicht einmal die ganz. Beim Lauf war ich zudem müde und schlapp, lief ihn halt herunter, weil´s fürs Training gut sein soll.
Derzeit kämpfe ich gegen Müdigkeit und Schlappheit an. Das Ziel, einen flotten Marathon zu laufen, begeistert mich nicht allzu sehr. Angst und Skepsis überwiegen.
Das neue Projekt kostet mich derzeit mehr Kraft. Dazu das Bild unten.

14.07.09

Eine Runde

Bedingt durch das Berglauftraining bin ich andere Strecken gelaufen und lauf erst jetzt wieder die alten flachen Strecken, die auch ihren Reiz haben.
Da sind noch die Überreste des Unwetters vom 26. Mai. Ich habe es auf der Straße erlebt. Viele Wälder waren längere Zeit unpassierbar.

Dann habe ich das Storchennest entdeckt – wer gute Augen und Fantasie hat, kann den Storch gerade hochfliegen sehen. Auch die Störche hat das Unwetter erwischt. Ihr Gelege wurde zerstört.

Eine Mutterkuhherde ist draußen.
Das Getreide schon reif.
Soayschafe, aus der Steinzeit stammend, und Kamerunschafe, die ich leider nicht vor die Kamera bekommen habe, sind neben der Laufstrecke.





Und dieses Jahr hat es geklappt: Der Spindelbaum/Pfaffenhütchen ist dieses Jahr nicht von den Gespinstmotten befallen worden und trägt zum ersten Mal seit 5 Jahren wieder Früchte.

Derzeit bin ich immer noch in einer Laufkrise. Die richtige Motivation will sich nicht einstellen, ich werde mich mehr auf das Radfahren verlegen.
Im Juni bin ich 301 km gelaufen, 3142 Höhenmeter. Und im Juli werden es wohl noch weniger sein.

06.07.09

LAUFEN IM DORF


Neu in einem Dorf, kennen die Nachbarn nicht. Frage beim Loslaufen: Was denken die Nachbarn? Hier auf dem Lande – sind wir da mit Joggen nicht am falschen Ort? In der Kleinstadt ist das anders: Da gibt es zwar nicht allzu viele, aber doch ein paar Jogger. Wenigstens bewirkt die permanente Gesundheitspropaganda, dass immer wieder welche zu laufen anfangen. Man sieht es ihnen an, sie werden es nicht lange machen. Aber es ist nett, man ist und fühlt sich nicht allein oder ganz so exaltiert. Die wenigen, die von meinem Joggen Notiz nehmen, wissen, dass etwas Anstrengung und Leistung dahinter ist. Nicht unbedingt ein Grund, sich darüber lustig zu machen. Im Gegenteil, mancher denkt wohl, dass das für ihn selbst auch gut wäre – aber die Zeit, die Unlust usw. … halten davon ab.
Aber hier auf dem Lande habe ich doch das Gefühl ein Spinner zu sein. Hier, wo die Leute sich zur Blasmusik, zu Feuerwehrübungen, zum harten Fußball treffen, wo sie das Schwergewichtige lieben, die großen Traktoren, auf denen Menschen sitzen, die Schweine verschlingen, deren Zucht die Luft verpestet- hier also da tanzt man als leichtgewichtiger Jogger - kilomäßig ganz und gar nicht „Mann“ oder „Frau“ - schon arg aus der Reihe. In kurzen Hosen durch eine vielleicht idyllische Gegend rennen – wären da nicht Güllegestank und Landmaschinen – die für die dort arbeitenden Bauern nur Ort von Plackerei und Arbeit ist, ist das nicht unpassend, ein Missverhältnis?
Hier, wo so wenige Menschen sind und einer, der vielleicht 1000 Meter weiter weg wohnt, einem immer noch näher ist, wie in der Stadt der nächste Nachbar, wie soll man mit der Missgunst oder Ungunst der Mitmenschen leben? Sicher, die Leute gewöhnen sich an alles, vielleicht auch an uns. Vielleicht sollte man die Integrationskraft der Vernunft nicht unterschätzen. Vielleicht brauchen die Leute auf dem Lande auch etwas zur Unterhaltung, „mal was anderes“, etwas jenseits ihrer Uniformen, die sie so lieben, im Reservisten-, Fischer-, Musik- und Feuerwehrverein.
Vielleicht braucht die niedergehende Landwirtschaft etwas jenseits der Religion vom großen Fressen, Wiederkäuen und Trinken, etwas jenseits von immer industriemäßiger verfolgtem Wachstum. Was sich auf dem Lande abspielt, ist ja beängstigend: Wie die Landschaft mit Monokulturen verödet wird, wie mit Giften Flora und Fauna ruiniert werden, wie mit Dünger und Energieeinsatz Ressourcen zerstört werden. Das Schlimmste ist der Geist, der darin kein Problem sieht und nicht nach Alternativen sucht.
Kann der Jogger eine Alternative anbieten? Kommt er nicht daher, wo die Menschen durch beamtenmäßige Arbeit – also den ganzen Tag auf dem Arsch hocken – Zeit und Laune haben, sinnlos durch die Gegend zu rennen? Hält die Gesundheitssensibilität nicht von kräftiger Arbeit und Zupacken ab? Wenn einer joggt, zeigt das nicht, dass er nicht genügend gearbeitet hat? Und wenn er schon das Spielerische liebt, warum nicht mit anderen zusammen? Karten spielen, Kegeln, Musikkapelle. Uns von der Stadt kommt es so vor, dass auf dem Land als vernünftig nur der Gemeinschaftsdrang gilt, dieses Sichabsondern des Joggers als unvernünftig und „spinnert“. Für solche Narreteien gibt es doch die Fasnet. „Alles hat seine Zeit.“
Die Geschichte des Landes zeigt allerdings, dass nicht alles so hoffnungslos ist. Da gab es immer Menschen, die anders waren: die künstlerisch begabten, die Auswanderer, die Bücherleser, die Biobauern, die vielen Andersartigen.
Oder: wir schließen uns einem Verein an und laufen mit dessen Insignien. Und schon sind wir was. ?

28.06.09

Abgesagt

Mein Ziel seit einem halben Jahr war eigentlich einen privaten Ultra zu machen, 83 km mit viel, viel … Auf und Ab. Die Vorbereitung lief ja auch planmäßig. Der letzte 65km Marathon war als Trainingslauf gedacht. Dann aber ging es durcheinander: Reise, andere Projekte und Aufgaben und ich konnte mich nicht wieder konzentrieren. Ich fand Gründe, mich zu „schonen“ und hatte weniger Bedürfnisse mich herauszufordern. Inzwischen ist es eine kleine Laufkrise geworden. Ich komme nicht über 82 km die Woche. Hoher Ruhepuls, leichte Kopfschmerzen, leerer Kopf, Entzündungen nach kleinen Läufen – nichts stimmt. Das Wetter gibt seinen Teil dazu. Eigentlich wollte ich am 24. los – aber auf den Webcams sehe ich – erleichtert – Schnee, Matsch und Dreck. Ich weiß nicht, ob ich dieses Projekt jemals laufen kann.
Beim Grand Raid de Mercantour sind vorletztes Wochenende am 20./21 Juni 3 Menschen ums Leben gekommen, wohl erfroren. Der Lauf in den Seealpen ging über 80 km und 6000 Höhenmeter.

24.06.09

LAUFEN UND ERKENNTNIS

In meinem letzten Blog habe ich etwas über den „Wissenschaftler“ Dekkers geschrieben: Körper nur die Verpackung für den Geist … etc.
Wie der Szientismus allgemein und die meisten Menschen glaubt Dekkers, es gäbe so etwas wie eine objektive Welt und damit zusammenhängend ein objektives Wissen darüber. Nur dieses Wissen hat Bestand und Gültigkeit. Dieses Wissen zu erlangen, ist allererste Aufgabe.
Ganz anders die Auffassung, dass sich unsere Erkenntnis aus unserem Handeln ergibt und daran gebunden ist. Wir sind also nicht nur Geist, sondern auch Auge, Ohr etc. Und nicht nur Sinne sondern auch Hände und Füße. Und sind nicht nur geistiges Interesse, das schlussfolgert, Theorien zusammenbaut, sondern Leib und Seele, die unserem Körper, Händen und Füßen eine Richtung geben. Daraus bilden sich dann Wissen und Erfahrung, ein Selbstzustand und so weiter.

Menschliche Welterfahrung hängt zwar viel mit dem Gebrauch der Hände (damit verbunden: das Sprechen) zusammen, aber auch die Füße sind so unwichtig nicht. Man sagt, am Anfang der Menschwerdung sei der aufrechte Gang. Wie auch immer - die Füße übernehmen die Aufgabe der „Vorderfüße“, also der Hände und lassen denen Raum sich weiterzuentwickeln. Vielleicht steckt auch etwas von der Intelligenz der Hände in den Füßen – etwas von deren Sensibilität – aber natürlich sind die Hände mit ihren Fingern um vieles geschickter als unsere Zehen.
Schließlich verändert der aufrechte Gang unserer Sinne. An die Stelle der Nase und der Ohren tritt das Auge als dominantes Organ. Will man etwas als wahr beweisen ist der visuelle Beweis heute der entscheidende. Nicht nur der ungläubige Thomas, auch wir sind vom Fernseher, von Bildern fasziniert, und auch die Wissenschaft will mit ihren Grafiken und bildgebenden Verfahren überzeugen.
Noch mehr: der Horizont unserer Erfahrung hängt von der Art unserer Bewegungen ab. Der arme Hawkins, dem nur noch das Denken über die kosmische Ordnung übrigbleibt, ist ein Grenzfall, mit dem wir nicht tauschen möchten, auch wenn das Nachdenken über Strings und Quarks über uns Nobelpreise regnen ließe.
Die Welt eines Fußgängers unterscheidet sich grundlegend von der eines Autofahrers oder Laboranten.

Beim Läufer kommt doch noch ein anderes Element hinzu. Es ist die Dominanz der eigenen Bewegtheit über die Erfahrung. Der eine eilt, der andere geht durch die Welt. In der Bewegung des Läufers ist ein Moment von Flucht, flüchtigem Denken, von Konkurrenz des Schnelleren gegenüber dem Langsameren enthalten – vielleicht kann man es „Auseinandersetzung“ nennen.
Die Füße sind die Antipoden des Kopfes. Auf der einen Seite sind sie Organe des Kopfes, Hilfsgestell für die Augen, aber dann können sie sich auch selbstständig machen, sei es dass sie „unruhig“ werden, also das unruhige „Gemüt“ ausdrücken, sei es, dass sie den Dienst verweigern, müde werden usw.

Summa summarum: Unsere Welt ist eine konstruierte, von uns mit Körper und Werkzeugen geschaffen in Auseinandersetzung mit der Natur.

15.06.09

„GESUNDHEITSWAHN“

Ich habe zufälligerweise – denn den Mann kenne ich nicht – einen Podcast über einen schriftstellernden Biologen gehört. In einem Interview outet er sich als Antisportler. Interessant, was da an Ressentiments aufgewaschen wird. Der Biologe Midas Dekkers, angeblich Autor vieler populärer Werke, schreibt über den „Gesundheitswahn“. In einem Interview erklärt er, 50% aller Niederländer würden Sport treiben, Joggen usw. – Bei meinem letzten Langlauf bin ich keinem Einzigen dieser 50% begegnet. „Ja, wo laufen sie denn??!!“ möchte man da in Erinnerung an Loriots Sketch fragen.
Also wissenschaftliche Erfahrung ist von ihm nicht zu erwarten. Er bewegt sich auf dem Niveau einer Meldung von jüngst, ein Drittel der Deutschen wären Sportmuffel. Die anderen gucken wohl alle Bundesliga oder Tennis.
Sicher hat er Recht, wenn er gegen diese Formal „mens sana in corpore sano“ anschreibt. Ursprünglich ironisch-satirisch gemeint, wurde der Satz zum Folterinstrument von Sportlehrern und Militaristen. Ein kleiner
Artikel in Wikipedia hätte gereicht das klarzustellen. - „Mens“ mit Geist gleichzusetzen ist ohnehin sehr verkürzt. Sollte der Satz einen positiven Sinn ergeben, wäre damit eher: Gemüt, Lebenseinstellung, Haltung gemeint; also eine Haltung, mit der man auf die Dinge zugeht, sie konkret betrachtet, Widerständen nicht aus dem Wege geht, sich bewegt, statt andere für sich arbeiten lassen.
Dekkers geht ein interessantes Problem an, das von Körper und Geist. Der Geist, so Dekkers, will sich zum Tyrannen des Körpers machen. Der Körper ist faul, der Geist will aktiv sein. Das ist schon eine merkwürdige Vorstellung. Er widerruft sie auch wieder sofort, wenn er davon spricht, wie ihn es nach Stunden Schreibarbeit juckt, spazieren zu gehen - wenn auch nur mit einer Speed von 5 km/h. Aber Argumente sind ihm wichtiger als ihr letztendlicher Wahrheitswert.
Mit dem Körper kann er aber sonst nicht viel anfangen, der trinkt eben gerne und ist sexfixiert. „Das Gehirn ist der Inhalt, der Rest nur Verpackung.“ Der Geist materialisiert sich im Gehirn, nicht in den Körperteilen. Hawkins ist/ war auch im Rollstuhl intelligent. Und eine Dame, die ein Buch im Park liest, hat mehr vom Leben als der Jogger, der darin seine stupiden Runden dreht. Überhaupt Sport und Arbeit verkürzt das Leben, während Bildung das Leben verlängert und – nicht unwichtig – das Einkommen verbessert.
Und dann: Der Sinn des Lebens ist, das Wissen für die nächsten Generationen zu erhöhen. Wer einen Weltrekord läuft, macht es der nachfolgenden Generation nur schwerer, besser zu werden. Damit ist außer Krankheiten, die man sich beim Sport einholt, nichts gewonnen. Aber ist es der Sinn des Lebens, das Wissen zu vermehren? Ist Wissen der richtige Zugang zur Welt? Man hört hier Comte und seine positive Religion heraus.
Sport und Religion: Die Leute haben Schuldgefühle, deswegen quälen sie sich. Er lobt seine katholische Erziehung, die ihm ein „gemütliches“ Verhältnis zum Körper und Ritualien geschenkt hat, mit der er als Kind seine Schuldgefühle loswerden konnte.
Überhaupt macht Sport krank. „Die Hälfte der Sportler macht sich einmal im Jahr kaputt“. Würde man den Satz jetzt mathematisch durchrechnen, wäre das Heer der Sportler von 50% nach 4 Jahren bei 3,125%. Vielleicht eine realistischere Zahl.
Der Körper besteht aus Muskeln, Sehnen und „Knöcher“. Nur die Muskeln ließen sich verbessern, die anderen würden durch Sport nur verschlissen. Auch hier sieht man wieder: Wissenschaft interessiert ihn nicht; was zählt, ist das billige Argument.
Sport ist kindisch: in bunten Klamotten herumlaufen, kurzen Hosen, hüpfen und springen – dem kann Dekkers nichts abgewinnen. Er war, wie er sagt, „immer vernünftig“. Als Kind hat er sich nach der Schule einen weißen Mantel angelegt und Professor gespielt. Er wollte immer nur erwachsen spielen und das ist ihm wohl mit seinem neuen Buch wieder
gelungen.
Schade, schon wieder ist kein gutes Buch geschrieben worden.

07.06.09

REGENLAUF

Es hat also geregnet, kräftig geregnet und ich wollte doch etwas laufen. Die Muskeln entspannen nach den 114 km Rad von gestern. Meine Frau winkt ab und geht in den Keller auf das Laufband, schwitzt und dürstet dort. Ich will so schnell nicht aufgeben, warte einen Schauer ab, es wird heller – aber es regnet. Da muss ich eben durch.
Aller Anfang ist schwer. Die Schuhe bleiben erstmal trocken. Aber es regnet weiter. Landschaft sehe ich nicht viel, relaxed kann ich auch nicht laufen. Gedanken dahin und dorthin. Ich werde schneller, der Regen bleibt. Sehen kann ich nicht mehr viel. Regen ist ja so schön. Langsam werden die Schuhe nass und immer wieder Steinchen drin. Auf die Uhr will ich nicht mehr schauen, sonst wird sie nass und blockiert. Hundebesitzer treffe ich, keinen Jogger. Der Himmel hängt mir am Kopf. Ach, Regen ist so schön. Ich trotte irgendwie vorwärts. Es will wieder mal nicht enden. Inzwischen bin ich von oben bis unten nass. Regen ist so schön. Ein paar konzentrierte Schritte im meditativen Laufen, aber dann wieder ablenkende Gedanken. Es ist, als würden meine Gedanken über mir selbst hängen, nicht verbunden mit meinem Selbst. Regen, Regen, so wunderbar. Ich schlepp mich nach Hause. Waschen, Essen – noch mit Appetit, dann Kopfschmerzen. Hinliegen vor Müdigkeit. Draußen regnet es weiter. Und weiter Kopfschmerz. Mir ist auch schlecht. Ich liege nur noch flach. Regen ist so wunderbar.
Eine lange Nacht. Und dann ein Lauf heute – ohne Regen. Ich mache einen Lust-und-Laune-Lauf, ohne Ziel. Laufe eine Strecke gegen die übliche Richtung. Es geht fast 500 Meter hoch und lohnt sich: eine grandiose Aussicht, die Alpen von West bis Ost, fast kann man den See sehen, mit vielen weißen Wolken, die dem Bild Leben und Bewegung geben.